VORTRAG IN OSNABRÜCK, OKTOBER 2013

»Identitätsmanagement und Infrastrukturen von Migranten aus Österreich-Ungarn in den USA um 1900«

Lokale Migrationsregime / Migrationsregime vor Ort. Tagung der Gesellschaft für Historische Migrationsforschung (GHM) in Kooperation mit dem Institut für Migrationsforschung und Interkulturelle Studien (IMIS) der Universität Osnabrück, Osnabrück, 1.–3. Oktober, 2013.

Zusammenfassung: Österreich-Ungarn gehörte zu den fünf größten »Sendestaaten« von MigrantInnen in die Vereinigten Staaten vor dem Ersten Weltkrieg. MigrantInnen aus Österreich-Ungarn waren in den USA zwischen 1900 und 1910 die größte Gruppe an Zuwanderern. Sie entwickelten in den USA spezifische öffentliche Kulturen in »ihren« jeweiligen Sprachen. Diese waren nicht abgeschlossen, sondern es gab einen steten Informationsfluss, auch über Sprachgrenzen hinweg. Das Beispiel der öffentlichen Kultur von MigrantInnen, die südslavische Sprachen verwendeten, zeigt das besonders deutlich. Der Vortrag stellt dar, wie die bruderschaftlichen Organisationen dieser MigrantInnen die Infrastruktur sowohl für die Bewältigung des Alltags, also auch für politische Aktion mittels öffentlicher Kommunikation bildete. Dabei spielen besonders spezifische Orte eine Rolle, wie Saloons, bruderschaftliche Häuser und Kirchen.

Am Beispiel der migrantischen Heiratspolitik nach dem Ersten Weltkrieg wird zu zeigen sein, wie sich die öffentliche Kultur dieser MigrantInnen im Laufe der Zeit veränderte und wie der Zusammenhang zwischen demographischen Veränderungen und migrantischer Politik durch transdisziplinäre Analyse gezeigt werden kann. Die Präsentation beruht auf Forschungen, die in Zusammenarbeit mit Annemarie Steidl (Wien) und James Oberly (Eau Claire, WI) 2010 mit Unterstützung der Botstiber Foundation an der Universität von Minneapolis durchgeführt wurden und in Buchform erscheinen werden.